Mittwoch, 18. Februar 2004
manchmal
stift, 23:41h
manchmal ist ein bisschen Sonne schon genug, um das Gefühl zu haben, alles ist gut. Das ist mir schon lange nicht mehr so gegangen. Guter Tag. Zum Schluss noch durch den Regen gejoggt. Über dem See lag rotes Licht, das über die Innenstadt und durch den Abendhimmel aus Marxloh herüber schien. Dort wird Stahl gekocht. Ein Bild wie ein vertrautes Gefühl von früher, wo ich aus dem Ruhrtal über den Hügeln sehen konnte, wenn bei Hoesch in Dortmund abgeschlackt wurde. Da hat glaube ich vor zwei Jahren der letzte Hochofen schluss gemacht. Er gehörte zu einem Werk, in dem mein Großvater gearbeitet hatte. Hunderte Chinesen haben ihn abmontiert und nach Asien verfrachtet. Schön, dass hier wenigstens noch was produziert wird. Wer weiß wie lange noch. Sonst gibt`s bald nur noch Dienstleistung. Außer der Bundesanstalt für Arbeit braucht die dann keiner mehr. Am Wochenende war ich auf dem Rundgang der Düsseldorfer Akademie. Es war voll, die Kunst war versperrt. In einer Klasse hingen die Bilder wie in den historischen Salons bis unter die Decke, die Künstler lümmelten sich auf einer verranzten Couchgarnitur und schauten stolz. Das hat mir gefallen, die Bilder nicht. Kunst braucht immer viel Zeit. Bis ich mich konzentrieren und den Blick mit der nötigen interesselosen Aufmerksamkeit über die Wände hätte gleiten lassen können, war ich von Wortsprengseln fortgerissen, von drängelnden Körpern fortgeschoben worden. Nächstes Jahr geh ich früher hin.
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